Vollständige Referrer und Seiten-URLs in Analytics anzeigen

    Wer ein wenig mit Google Analytics gearbeitet hat, wird sich vielleicht schon darüber gewundert haben, wieso keine vollständigen Verweis-URLs (auch Referrer-URLs genannt) und Seiten-URLs angezeigt werden, sondern immer nur die URI, also die URL ohne den Hostnamen, ausgegeben wird.
    Ich denke, dass dies der Übersichtlichkeit in den Berichten von Google Analytics dient. Denn für die meisten Nutzer mag es nicht wichtig sein, ob http://www.meinedomain.de/ den URIs vorangestellt wird oder nicht. Doch es gibt einige Fälle, in denen die Anzeige vollständiger URLs sinnvoll oder gar nötig ist: Zum Beispiel, wenn man seinen Content über verschiedene Subdomains verteilt hat und in Analytics eine gemeinsame Tracking-ID verwendet. Ebenso nützlich sind vollständige Referrer-URLs auch in den Berichten über die Verweiszugriffe, wie ich euch zeigen werde.

    Wann braucht man die vollständige Verweis-URL (Referrer)?

    In Google Analytics findet ihr unter Akquisition >> Alle Zugriffe >> Verweise den Bericht zu den Verweiszugriffen. Das sieht soweit ganz sinnvoll aus: In der ersten Ebene sieht man die Domains, von denen man Traffic erhalten hat. Klickt man auf einen Eintrag (hier xing.com) sieht man in der folgenden Ebene die einzelnen URIs, von denen Traffic auf die eigene Website geleitet wurde.

    Doch wenn man diese Daten exportieren möchte, z.B. um sie in Excel weiterzuverarbeiten, stößt man auf Probleme. Die Exportdatei enthält immer nur die URIs für die aktuell ausgewählte Quelle bzw. Domain. Ein vollständiger Export ist so nicht möglich. Abhilfe lässt sich aber schaffen: Mit einem benutzerdefinierten Bericht, der alle notwendigen Informationen enthält.

    Benutzerdefinierten Bericht mit vollständigen Verweis-URLs anlegen

    Der benutzerdefinierte Bericht ist in Google Analytics schnell angelegt. Klickt zuerst auf Anpassung und dann auf +Neuer benutzerdefinierter Bericht.

    Nun wird der Bericht in wenigen Schritten definiert:

    1. Zunächst erhält der Bericht einen Titel, unter dem er später aufrufbar ist, in diesem Fall Vollständige Verweis-URLs.
    2. Der Bericht-Tab kann einen individuellen Namen erhalten.
    3. Der Typ des Berichtes ist Explorer.
    4. Anschließend folgen die Messwertgruppen. Hier habe ich eine Gruppe mit den Messwerten Sitzungen, Absprungrate und Abschlüsse für Zielvorhaben angelegt. Das könnt ihr ganz nach euren Wünschen festlegen.
    5. Für die Dimensionsaufschlüsselung wählt ihr Vollständige Verweis-URL aus.
    6. Dann müsst ihr festlegen, welcher Traffic in diesem Bericht ausgewertet werden soll. Da es hier nur um Traffic aus Verweiszugriffen geht, setzten wir einen Filter für Traffic vom Typ referral ein.
    7. Legt dann fest, in welchen Datenansichten dieser Bericht zur Verfügung stehen soll.
    8. Abspeichern und fertig!

    Ihr habt nun in Google Analytics einen Bericht zu den Verweiszugriffen zur Verfügung, der die vollständige Verweis-URL (Referrer) darstellt und damit auch für Exporte gut geeignet ist.

    Dieser Bericht ist allerdings noch nicht optimal: Man kann ihn zwar für Excel & Co. gut exportieren, eine Gruppierung nach Traffic-Quellen fällt damit aber schwer. Im nächsten Schritt zeige ich euch einen Bericht, aus dem sich sehr gut Pivot-Tabellen zur Strukturierung der Daten erzeugen lassen.

    Benutzerdefinierten Bericht mit Pivot-Tabelle kombinieren

    Damit man die Verweis-URLs nach den einzelnen Domains gruppieren kann, ist ein anderer benutzerdefinierte Bericht anzulegen. Klickt zuerst wieder auf Anpassung und dann auf +Neuer benutzerdefinierter Bericht. Weiter geht es mit den Details zu diesem Bericht:

    1. Zunächst erhält der Bericht einen Titel, unter dem er später aufrufbar ist, in diesem Fall Quelle + vollständige Verweis-URL (Tabelle).
    2. Der Bericht-Tab kann einen individuellen Namen erhalten.
    3. Der Typ des Berichtes ist jetzt Tabellenliste.
    4. Anschließend folgen die Dimensionen. Wählt die Dimensionen Quelle und Vollständige Verweis-URL aus.
    5. Für die Messwerte wählt ihr z.B. Sitzungen, Absprungrate und Abschlüsse für Zielvorhaben aus. Natürlich sind auch andere Messwerte möglich, je nachdem, welche Informationen ihr benötigt.
    6. Dann müsst ihr festlegen, welcher Traffic in diesem Bericht ausgewertet werden soll. Da es hier nur um Traffic aus Verweiszugriffen geht, setzten wir einen Filter für Traffic vom Typ referral ein.
    7. Legt dann fest, in welchen Datenansichten dieser Bericht zur Verfügung stehen soll.
    8. Abspeichern und fertig!

    Ihr habt nun in Google Analytics einen weiteren Bericht zu den Verweiszugriffen zur Verfügung, der neben der vollständigen Verweis-URL auch die Quelle (sprich Domain) enthält.

    Diesen Bericht kann man jetzt exportieren und daraus zum Beispiel in Excel oder Google Tabellen eine Pivot-Tabelle generieren:

    Klickt auf Export und wählt dann Google Tabellen aus  und importiert die Daten in Google Drive.

    Nachdem der Analytics-Bericht importiert wurde, könnt ihr nun aus den Daten eine Pivot-Tabelle erzeugen. Markiert den Datenbereich, der für die Pivot-Tabelle genutzt werden soll (im Bild blau hinterlegt) und wählt dann Daten >> Pivot-Tabelle aus.

    Nun wird die Pivot-Tabelle definiert. Wählt zuerst für die Zeilen der Tabelle die Felder Quelle und Vollständige Verweis-URL aus. Dann wählt für die Werte das Feld Sitzungen aus.

    Das Ergebnis ist eine Pivot-Tabelle, in der ihr die Referrer-URLs gruppiert nach den Domains aufgelistet findet (z.B. für xing.com). Gerade bei großen Datenmengen ist dies sehr hilfreich, um den Überblick zu behalten.

    Vollständige Landingpage-URLs und Content-URLs in Analytics anzeigen lassen

    Wie bei der Verweis-URL zeigt Google Analytics auch bei der Analyse der Landingpages und des Contents die Seiten nicht mit ihrer vollständigen URL an, sondern stets nur mit der URI: die Information über die Domain fehlt also. Für eine einfache Website ohne Subdomains ist das nicht problematisch, und die Berichte sind ohne Einschränkung zu gebrauchen.

    Problematisch wird es jedoch, wenn eine Website mehrere Subdomains nutzt, und alle Subdomains mit der gleichen Tracking-ID in Google Analytics getrackt werden. Denn in diesem Fall laufen alle Daten in die gleiche Analytics-Property. Kein Problem? Leider doch:

    Angenommen, eine Website hat den Content auf drei Subdomains verteilt: www.meinedomain.de, shop.meinedomain.de und forum.meinedomain.de. In der Analyse der Landingpages in Analytics werden die Homepages dieser drei Subdomains alle mit / gekennzeichnet. Doch auf welcher Subdomain der Zugriff erfolgte ist nicht erkennbar. Noch ärgerlicher wird es, wenn man Conversion Tracking nutzt und nicht erkennen kann, welche der drei Homepages den Traffic liefert, der zu den meisten Conversions führt. Eine Segmentierung des Traffics nach Subdomains ist ebenfalls nicht möglich.

    Deshalb benötigt man Berichte, die neben der aufgerufenen Seite auch den Hostnamen beinhalten. Im Folgenden stelle ich drei mögliche Wege vor, um dieses Problem zu lösen.

    Benutzerdefinierter Bericht mit vollständigen Landingpage-URLs

    Wir legen wieder einen benutzerdefinierten Bericht an, der neben der Landingpage-URL bzw. Zielseite auch den Hostnamen beinhaltet.

    Der Bericht ist vielseitig anpassbar. Wichtig ist, dass die Dimensionen Hostname und Zielseite verwendet werden, damit man genau erkennen kann, auf welcher Subdomain und welcher Zielseite der Einstieg erfolgte. Die Metriken sind frei wählbar, ebenso wie evtl. Filter, um die Analyse auf bestimmte Traffic-Quellen wie etwa Verweise oder die organische Suche einzuschränken.

    Benutzerdefinierter Bericht mit vollständigen Seiten-URLs

    Ganz ähnlich zum oben erwähnten Bericht mit vollständigen Landingpage-URLs ist auch der Bericht für vollständige Seiten-URLs zu definieren:

    Google Analytics: Benutzerdefinierter Bericht, vollständige Seiten-URL

    Zu beachten ist, dass als zweite Dimension hier Seite und nicht Zielseite ausgewählt werden muss. Die Metriken und Filter sind vielseitig anpassbar.

    Die eleganteste Lösung: Vollständige Seiten-URLs mit benutzerdefiniertem Filter erzwingen

    Die aus meiner Sicht eleganteste Lösung zum Anzeigen vollständiger Seiten-URLs kommt jetzt: Man kann in Google Analytics mit einem benutzerdefinierten Filter den Inhalt des Feldes Anforderungs-URI überschreiben. In diesem Feld steht nichts anderes als die URI der jeweils aufgerufenen Seite. Wir könnten also die URI um den Hostnamen ergänzen und das Ganze dann zurück in das Feld Anforderungs-URI schreiben. Vorteil: Diese Lösung greift für die gesamte Datenansicht. Wir müssen keine benutzerdefinierten Berichte erstellen, sondern haben für Analysen des Websitecontents immer vollständige Seiten-URLs zur Verfügung.

    Wichtiger Hinweis zur Benutzung von Filtern in Google Analytics

    Filter werden in Analytics angewendet, bevor die Daten in der Datenansicht gespeichert werden. Einmal herausgefilterte Daten können nicht wiederhergestellt werden! Deshalb sollten in Analytics immer mindestens drei Datenansichten verwendet werden:

    • eine Datenansicht zum Testen von Filtern und sonstigen Anpassungen
    • eine Backup-Datenansicht ohne jede Anpassung
    • und schließlich eine Arbeitsansicht, die geprüfte Filter usw. enthält und für die tägliche Analysearbeit genutzt wird

    Der Filter lässt sich in wenigen Schritten einrichten. Unter Verwaltung könnt ihr der gewünschten Datenansicht benutzerdefinierte Filter einrichten.

    Nachdem ihr auf +Filter hinzufügen geklickt habt, wird der Filter definiert:

    1. Zuerst wird der Name des Filters festgelegt.
    2. Für den Filtertyp wird Benutzerdefiniert ausgewählt.
    3. Erweitert auswählen.
    4. In das Feld A wird der Hostname extrahiert. Mit dem regulären Ausdruck (.*) wird bestimmt, dass wir keine Hostnamen von diesem Filter ausschließen. Die Zuordnung greift also immer.
    5. In das Feld B wird die Anforderungs-URI geschrieben. Das ist die URI, die wir um den Hostnamen erweitern wollen.
    6. Anschließend schreiben wir den Inhalt der Felder A und B zurück in die Anforderungs-URI. Da in Feld A der Hostname steht, ist die Anforderungs-URI jetzt um den Hostnamen erweitert worden.
    7. Feld A ist erforderlich.
    8. Das Ausgabefeld (hier also Anforderungs-URI) wird überschrieben.
    9. Dann nur noch speichern und der Filter ist fertig definiert.

    In allen Berichten, die die Anforderungs-URI nutzen wird jetzt auch der Hostname angezeigt. Das betrifft sowohl Berichte zu den Zielseiten (Landingpages) als auch alle übrigen Berichte zum Website-Content.

    Fazit

    Für detaillierte Analysen des Traffics aus Verweisen bieten die Standardberichte in Analytics nur eingeschränkte Möglichkeiten. Doch mit einem einfachen Tabellenbericht kann man die Voraussetzungen für eine komfortable Weiterverarbeitung der Daten mittels Pivot-Tabellen schaffen.

    Insbesondere für Websites, die mehrere Subdomains nutzen, ist die Standardanzeige der aufgerufenen Seiten in Google Analytics nicht ausreichend, weil damit keine genaue Content-Analyse möglich ist. In wenigen Schritten lassen sich die Berichte in Analytics aber um vollständige Seiten-URLs ergänzen. Ich empfehle für diese Fälle, einen benutzerdefinierten Filter zum Überschreiben des Feldes Seiten-URI zu nutzen, um die vollständige Seiten-URL in den Standardberichten von Analytics nutzen zu können.

    Viel Spaß beim Analysieren!

    4 Kommentare
    • Analytiker79
      ANTWORTEN

      Coole Lösung mit dem Filter für die Seiten-URLs. 🙂 Ich kannte nur die Varianten mit dem Hostnamen als zusätzliche Dimension in den Berichten und war damit nicht so richtig glücklich. Dass man mit den Filtern in Analytics quasi die Werte von Standarddimensionen überschreiben kann, wusste ich nicht. Kannte Filter nur für Anwendungen wie internen Traffic oder Referrer-Spam.

    • Niklas
      ANTWORTEN

      Schließe mich meinem Vorredner an. Der Filter ist eine spannende Lösung für das Problem mit den Subdomains in Analytics.
      Ich habe ein Webprojekt mit drei Subdomains „geerbt“ und die Contentanalyse war echt nervig. Mit dem Filter geht es deutlich einfacher. Schade ist nur, dass der Filter nicht rückwirkend wirkt.

      • Christian Ebernickel
        ANTWORTEN

        Hallo Niklas,

        mit den Filtern kann man in Analytics erstaunlich viel erreichen, und ich habe den Eindruck, dass sie eine der am meisten unterschätzten Funktionalitäten in Analytics sind. Mit einem nicht richtig funktionierenden Filter kann man sich allerdings auch seine Daten zerschießen. Deshalb ist absolut wichtig, dass man neue Filter immer in der Test-Datenansicht ausprobiert, bevor man sie in der regulären Datenansicht verwendet.

        Schöne Grüße
        Christian

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